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Corona-Krise: Die Folgen der Kurzarbeit für Steuerzahler

Der Zugang zum Kurzarbeitergeld wurde schon erleichtert. Nun hat die Bundesregierung auch die Erhöhung der Zahlungen beschlossen. Bis zu 87 Prozent des Lohnausfalls werden bei längerer Kurzarbeit gezahlt. Das ist einer der wesentlichsten Punkte im jetzt von der Bundesregierung beschlossenen Sozialschutzpaket II. Kurzarbeitergeld hat auch steuerliche Auswirkungen. Die Hilfe ist zwar steuerfrei, das Geld unterliegt jedoch dem sogenannten „Progressionsvorbehalt“.

„Das heißt: Viele Kurzarbeiter sollten sich darauf einstellen, dass sie im kommenden Jahr eine Steuererklärung machen und eventuell Steuern nachzahlen müssen“, sagt Hanka Hake von der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer e. V., Lohnsteuerhilfeverein, Beratungsstelle Burkhardtsdorf.

Das jetzt von der Bundesregierung beschlossene Sozialschutzpaket II umfasst vor allem diese Regelungen:
  • Das Kurzarbeitergeld wird erhöht. Ab dem 4. Monat der Kurzarbeit werden 70 Prozent (mit Kind 77 Prozent) des Lohnausfalls gezahlt. Und ab dem 7. Monat sind es 80 Prozent (mit Kindern 87 Prozent). Voraussetzung dafür ist, dass die reguläre Arbeitszeit um mindestens 50 Prozent gekürzt wird. Die Regelungen gelten bis maximal bis 31. Dezember 2020.
  • Nunmehr darf jeder Kurzarbeiter Geld hinzuverdienen und zwar bis zur vollen Höhe des vorherigen Monatsgehaltes. Die Maßnahme gilt ab 1. Mai und bis zum 31. Dezember 2020. Diese Hinzuverdienstregelung gilt für alle Berufe.
  • Das Arbeitslosengeld wird verlängert. Das betrifft Arbeitsuchende, deren Anspruch zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 auslaufen würde.


Was ist Kurzarbeit und wieviel Geld bekommen Betroffene

Kurzarbeit ist eine Maßnahme, die der Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden muss. Normalerweise prüft die Agentur die Voraussetzungen genau. Doch wegen der Corona-Krise hat der Gesetzgeber vorübergehend den Zugang zur Kurzarbeit erleichtert. Im Eiltempo hatten Bundestag und Bundesrat bereits am 13.3.2020 auch das „Gesetz zur befristeten krisenbedingten Verbesserung der Regelungen für das Kurzarbeitergeld“ verabschiedet.

Die Kurzarbeit muss der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer vereinbaren, wenn dies noch nicht im Arbeitsvertrag geregelt ist.

Kurzarbeitergeld gibt es, um den Lohnausfall für Beschäftigte abzufangen. Gezahlt wird es aus der Arbeitslosenversicherung. Vereinfacht dargestellt:

Der Arbeitgeber reduziert die Arbeitszeit auf 40 Prozent. In der Folge erhält der Arbeitnehmer von seinem ursprünglichen Nettolohn auch nur noch 40 Prozent. Den Verdienstausfall von 60 Prozent gleicht die Arbeitslosenversicherung aus.

Nach der aktuellen Regelung in der Corona-Krise gleicht die Agentur für Arbeit den Lohnausfall in den ersten drei Monaten zu 60 Prozent aus. Lebt ein Kind im Haushalt dann werden 67 Prozent gezahlt.

Wurde die Arbeitszeit um mindestens 50 Prozent reduziert, erhöht sich das Kurzarbeitergeld ab dem 4. Monat. Dann werden 70 Prozent (mit Kind 77 Prozent) des Lohnausfalls gezahlt. Und ab dem 7. Monat sind es 80 Prozent (mit Kind 87 Prozent).

Um Missverständnisse zu vermeiden: Das Kurzarbeitergeld erhalten Betroffene nicht direkt von der Bundesagentur für Arbeit, sondern es wird ihnen von ihrem Arbeitgeber ausgezahlt.


Was ist der Progressionsvorbehalt

„Wer Kurzarbeitergeld erhält, der muss unbedingt nächstes Jahr die Steuererklärung 2020 einreichen“, sagt Hanka Hake: „Das betrifft alle Steuerzahler, die mehr als 410 Euro aus der Arbeitslosenversicherung erhalten haben.“

Das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Aber es unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Was bedeutet das?

Bei der Berechnung des Steuersatzes wird zuerst das zu versteuernde Einkommen ermittelt. Dies fällt wegen der Kurzarbeit geringer aus. Dann rechnet die Finanzbehörde das Kurzarbeitergeld hinzu. Von der sich daraus ergebenden Summe wird der Steuersatz errechnet. Das heißt: Der Steuersatz fällt  durch die Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung höher aus. Mit diesem Steuersatz wird dann das steuerpflichtige Einkommen besteuert.

Das betrifft auch Ehepaare bzw. eingetragene Lebenspartnerschaften, die zusammen veranlagt sind. Ist einer der Partner in Kurzarbeit, dann wird der durch den Progressionsvorbehalt erhöhte Steuersatz auf das gemeinsame, zu versteuernde Einkommen angewendet.

„In der Folge kann der Progressionsvorbehalt dazu führen, dass viele Arbeitnehmer im nächsten Jahr auch Steuern nachzahlen müssen“, sagt Hanka Hake.


So werden Aufstockungen steuerlich behandelt – Auswirkungen auf die Rente

Um die für Arbeitnehmer finanziell nachteiligen Auswirkungen der Kurzarbeit abzumildern, gewähren manche Arbeitgeber einen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld. Dieser Zuschuss zum Kurzarbeitergeld ist steuerpflichtiger Arbeitslohn.

Übersteigt der Zuschuss des Arbeitgebers zusammen mit dem Kurzarbeitergeld nicht 80 Prozent des ausgefallenen Lohnes, dann ist der Zuschuss beitragsfrei. Das heißt: Es müssen keine Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden.

Das Kurzarbeitergeld hat auch Auswirkungen auf die Rentenbeitragszahlungen. Die Beiträge bemessen sich am Nettolohn. Niedrigere Beiträge führen später folglich zu verringerten Rentenzahlungen. Insofern wirkt sich die Kurzarbeit auch auf die Rente aus.

Um auch hier Missverständnisse zu vermeiden: Die Kurzarbeit hat keine Folgen für Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Wer in der Kurzarbeit erkrankt, hat auch weiterhin Anspruch auf Krankengeld. Aber auch das Krankengeld ist wie das Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld, eine Lohnersatzleistung, die der Progression unterliegt.

Kurzarbeitergeld gibt es auch für Leiharbeiter.

Hanka Hake: „Wir raten Kurzarbeitern im kommenden Jahr die Unterstützung bei einem Lohnsteuerhilfeverein zu suchen. Eine fachlich versierte Beratung ist eine gute Voraussetzung dafür, die möglichen Steuernachzahlungen abzufangen.“

 

 

 

 
   

   © 2008 by Sina •  hhake(at)lohnsteuerhilfe.net
 

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